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Die aktuelle Situation und die zukünftigen Herausforderungen der Volksbank

Volksbank Magazine

18/05/2020

Im Gespräch mit Alberto Naef

Wenn nicht nur die Führungsspitze wechselt, sondern sich auch der Alltag komplett verändert, gilt es zahlreiche komplexe Herausforderungen zu meistern. Alberto Naef erzählt im Interview von seinem ersten Monat als Generaldirektor der Volksbank: von seiner beruflichen Entwicklung und seinen bereichsübergreifenden Kenntnissen, von der Wichtigkeit gegenseitigen Vertrauens – und vom Optimismus, mit dem er seine neue Position angetreten hat.
Alberto Naef - Generaldirektor der Südtiroler Volksbank

Welche Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden haben Sie getroffen?

Das war ein sehr dynamischer Prozess, in dem wir alle ein wenig zu „Gesundheitsexperten“ geworden sind. Wir sind sehr pragmatisch vorgegangen und haben versucht, das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten, schon bevor die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben erlassen wurden, auch weil wir einen ausreichenden Vorrat an Schutzausrüstung anlegen mussten. In erster Linie haben wir Masken und Handschuhe zur Verfügung gestellt und Plexiglas-Trennwände einbauen lassen, damit die Zusammenarbeit und der Dialog zwischen Mitarbeitern und Kunden in den Filialen weiterhin stattfinden konnte. Und dann haben wir natürlich auch das Smart Working organisiert, um Menschenansammlungen zu vermeiden, vor allem im Hauptsitz in Bozen. Dadurch konnte mehr als ein Drittel der Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten. Weitere Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Kunden betrafen Remote-Lösungen für möglichst viele Banktransaktionen, außerdem war der Zutritt zu den Filialen nur noch nach Terminvereinbarung möglich. In Verdachtsfällen haben wir die entsprechende Filiale sofort geschlossen und desinfiziert. Mitarbeiter, die möglicherweise Kontakt zur betroffenen Person hatten, mussten für einen bestimmten Zeitraum in Quarantäne.  

Innerhalb der Bank gab es nur sehr wenige bestätigte Infektionen – das haben wir auch dem großen Verantwortungsbewusstsein unserer Mitarbeiter zu verdanken, die sich penibel an alle Richtlinien gehalten haben.

Zu den Aufgaben des neuen Generaldirektors zählt es u.a., „den digitalen Wandel zu begleiten“. Dieser wird jetzt womöglich noch schneller vonstatten gehen als angenommen?

Ich bin sicher, dass unsere Kunden die Tatsache zu schätzen wissen, dass die Volksbank in der Lage war, digitale Lösungen anzubieten, insbesondere für Transaktionen wie Zahlungseingänge und -ausgänge. Das bestätigen uns auch die Zahlen: Trotz des eingeschränkten Zugangs zu den Filialen konnten wir dank des digitalen Angebots die Anzahl der Transaktionen nahezu konstant halten. All diese Maßnahmen werden sicherlich in Zukunft dazu beitragen, dass auch neue digitale Formen der Beratung an Akzeptanz gewinnen – die Digitalisierung wird sich also nicht nur auf operative Bankgeschäfte beschränken. Wir arbeiten an entsprechenden Prozessen, die diese Aktivitäten fördern sollen, so dass unsere Kunden dadurch Zeit gewinnen.  

Wie werden sich die Wirtschaft und das Arbeitsleben nach der Corona-Krise verändern?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Der Dienstleistungsbereich ist im Moment sicher am stärksten vom Lockdown betroffen und hat damit die größten Veränderungen erfahren. Wie im Bankensektor wird die Digitalisierung auch im Industriebereich zunehmen: Entwicklungen wie das Internet of Things werden sich fortsetzen, weil sie eine Fernsteuerung der Produktionsstätten ermöglichen. Auch im Bereich des Transportwesens wird sich die technologiegetriebene Entwicklung beschleunigen, weil ein automatisierter Transport die aktuelle Situation verbessern würde. Das computergesteuerte Fahren wird ebenfalls neue Impulse erhalten. Sharing und Outsourcing sind Phänomene, die meines Erachtens eine Verlangsamung gegenüber der dynamischen Entwicklung der Vergangenheit erfahren werden. Die Corona-Krise hat vor allem emotionale Auswirkungen auf die Nutzer solcher Services. Um die wirtschaftlichen Veränderungen zu verstehen, die uns bevorstehen, müsste man daher vor allem die Verhaltensmuster der Menschen analysieren.  

Auch die Finanzmärkte sind derzeit sehr instabil. Welchen Rat würden Sie Investoren im aktuellen Umfeld geben?

Es sind die altbewährten Ratschläge, denn einige grundlegende Regeln an den Finanzmärkten verändern sich nie. Der erste betrifft die Diversifizierung des Portfolios: Man sollte sich nicht auf einige wenige Assets konzentrieren. Der zweite Rat lautet, dass man nur so viel investieren sollte, wie man entbehren kann – um nicht in die Situation zu geraten, dass man ein Portfolio gezwungenermaßen auflösen muss. Und drittens sollte man immer auf langfristige Trends setzen, wie den Gesundheitssektor oder nachhaltige Investitionen – das sind wahre Evergreens. 

Auf die Banken kommt eine enorme Herausforderung zu. Wie sehen sie die Zukunft der Volksbank kurz-, mittel- und langfristig?

Die Zukunft der Volksbank ist positiv, sowohl kurz-, wie auch mittel- und langfristig. Wir sind in der Lage, uns an die neuen Gegebenheiten anzupassen und unsere Identität zu bewahren. Die überschaubare Größe unserer Bank wird es uns ermöglichen, mit einer gewissen Flexibilität zu reagieren und Chancen schnell zu nutzen. Dank der hohen Anpassungsfähigkeit unserer Mitarbeiter tun wir das jetzt schon. Genau diese Flexibilität könnte einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Mitbewerbern – insbesondere gegenüber den größeren – bedeuten. 

Haben Sie ein Motto oder ein Credo, das Ihnen Kraft und Optimismus für die Zukunft gibt? 

Eigentlich nicht. Kraft und Optimismus ziehe ich vor allem aus dem Kontakt zu meinen Mitarbeitern und aus dem Wissen, dass wir alle die gleichen Ziele verfolgen und unser Bestes geben, damit die Volksbank heute immer ein bisschen besser dasteht als gestern. Und übermorgen ein bisschen besser als morgen.